Impuls

LANDWERK – Gedanken vom Vereinspräsidenten zur Gründungsversammlung vom 26.2.2023 auf dem Polyport.

Liebe Skeptikerinnen und Skeptiker der Gravitation,                        

eine berechtigte Frage lautet, was Landwerk überhaupt ist. Mir fällt dazu ein Vers des großen Horizontal-Bildhauers Carl André ein: „Der Mensch besteigt einen Berg, weil er da ist. Der Künstler schafft ein Kunstwerk, weil es nicht da ist.“ Damit hätten wir schon einmal den Begriff „Werk“ geklärt. Da fehlt nur noch das „Land“. Jawohl, wir sind hier im Bergischen Land in schönster ländlicher Umgebung. Das wäre aber doch allzu banal, die Sache auf ein rurales Ambiente zu reduzieren. Viel interessanter ist es jedoch, den Begriff auf das Phänomen der „Landung“ zu überprüfen. Take Off and Landing – sie raten, worauf ich hinauswill, wobei to take off nicht nur starten, sondern auch simulieren bedeuten kann.

Vögel, Insekten, Fledermäuse und Ideen befinden sich in einem kontinuierlichen Modus von Start und Landung. Deshalb lautet die Sicherheitsdurchsage auch: „Bitte lassen Sie Ihre Ideen nicht unbeaufsichtigt!“ Und damit das nicht alles durcheinanderkommt, muss ein Ort geschaffen werden, der dieses Chaos in den Griff bekommt. Das könnte ein Museum sein, aber mit gleicher Berechtigung könnte man den Ort auch „Flugplatz“ nennen, der Engländer nennt ihn „Airport“ also „Hafen der Lüfte“. Ein Airport, so darf man behaupten, bringt Ordnung in einen nur schwer beherrschbaren Wirbel von atmosphärischen Bewegungen. Diese zeigen sich haptisch, akustisch, olfaktorisch und bisweilen gespenstisch. Hier gilt es, das alles in organisatorische Kanäle zu lenken, damit nichts entgleitet. Ein wichtiges Instrument, diese Aufgaben zu bewältigen, ist die Fluggesellschaft ingoldairlines mit ihrer Dachorganisation ingolduniversal. Hier wurde ein Netzwerk geschaffen, aus denen u.a. die Internationalen Vogelflughäfen (Ornithoports) entstanden und nun eben auch Landwerk.

Landwerk hat zum Ziel, mit Hilfe der Intelligenz seiner Mitarbeiter bestimmte Probleme aus der Welt zu schaffen. Und zwar mit FREUDE!, denn schon der große Gottfried Wilhelm Leibniz wusste „es gibt keine Aufklärung ohne Erheiterung“.

Es würde zu weit führen, diese Probleme hier alle aufzuführen, jedoch möchte ich ein schwergewichtiges Beispiel herausgreifen, das sie alle kennen: das Problem der Schwerkraft, das der Physiker auch Gravitation nennt. Im französischen bedeutet „grave“ nicht nur „schwer“, sondern auch „schlimm“, woran sie bereits erkennen können, wo der Hase im Pfeffer liegt. Nichts liegt deshalb näher, sich dem Problem mit dem Instrument der Luftfahrt zu nähern. Was schlimm ist, sollte besser weg sein.


Der Kunsthistoriker Heinrich Lützeler begann seine berühmte Abhandlung zum rheinischen Humor 1954 mit dem Satz: „Das Leben hat im Allgemeinen einen Lastcharakter.“ Diese Last abzuschütteln, ist eine der Aufgaben von Landwerk. Es gilt, wie in jedem Museum auch, zu sammeln, zu bewahren, zu erforschen, zu filtern und zu ordnen. Ja und auch, aus den Ergebnissen ein FEST zu machen, immer wieder.
Und am Rande: vom Polyport in Dahlhaus sehen sie ein entferntes Gebäude, es befindet sich in der Otto-Hahn-Straße und nicht viel weiter das Otto-Hahn-Gymnasium Bensberg. Der Chemiker Otto Hahn entdeckte 1938 die Kernspaltung, die geeignet ist, alles in die Luft fliegen zu lassen. Sein palindromischer Vorname reiht ihn unfreiwillig in die Fluxus-Gemeinde ein, sein Nachname ist der eines Vogels. Das mögen sie jetzt als weit hergeholt empfinden, aber ein Charme liegt trotzdem darin und ist unbedingter Bestandteil des Projektes. Eine klassische Verschränkung von Raum und Zeit, von der Otto Hahn nicht einmal träumte. Er starb übrigens an dem Sturz aus einem Auto und wurde so selbst Opfer der Gravitation.

An diesem Ort, wo Fuchs und Has‘ sich Gute Nacht sagen, um im Traum der Gravitation zu entfliehen, werden keine Zeitfenster verschachert oder Pünktlichkeit durch Knapp-Betankung der Luftfahrzeuge erzwungen, wie es manche Mitbewerber versuchen. Landwerk ist anders!, denn Landwerk erzeugt Kultur-Kerosin.

Stephan Andreae, Vorsitzender von Landwerk e.V.